Politik hautnah erleben

Auf Einladung der TUI Stiftung hatten unsere Schülerinnen und Schüler am 2. August Gelegenheit, mit Außenminister Sigmar Gabriel über die Studie "Junges Europa" zu diskutieren. Eine Begegnung, die für beide Seiten anregend war. Mehr dazu in der HAZ vom 03.08.17 nachzulesen: 
 
Schülersprechstunde beim Außenminister
Elftklässler der IGS Roderbruch sprechen mit Sigmar Gabriel über die EU – und warum Jugendliche sie so kritisch sehen
Von Carina Bahl

Muss man sich für eine Diskussion mit dem Bundesaußenminister schick anziehen? „Ich habe echt überlegt“, gesteht die 17-jährige Ida. „Aber er ist ja auch nur ein Mensch.“ Und so sitzt die Elfklässlerin der IGS Roderbruch am letzten Ferientag mit ihren Mitschülerinnen in Jeans und Shirt vor Sigmar Gabriel (SPD). Die Frage des Tages: Wie stehen Jugendliche zur EU – und warum?

Die Tui-Stiftung hatte Anfang des Jahres dazu eine Studie in Auftrag gegeben. 6000 junge Europäer im Alter von 16 bis 26 Jahren wurden befragt – das Ergebnis: Nur 30 Prozent der Befragten sehen die EU als Bündnis von Ländern mit gemeinsamen Werten, nur 35 Prozent sind zufrieden mit ihr.

„Es zeichnet sich ab, dass ökonomische Zufriedenheit eng mit der Zufriedenheit mit Europa verknüpft ist“, bilanziert Marcus Splitter vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, das die Zahlen ausgewertet hat. „Es gibt in keinem Land eine Mehrheit für einen Austritt.“ Aber die EU bleibe den Jugendlichen zu unkonkret.

Gestern reicht eine Runde aus knapp 15 Schülern, um das zu bestätigen. „Die Reisefreiheit ist toll und dass man überall mit dem Euro zahlen kann“, so beantwortet Franziska die Frage des Außenministers, was sie an der EU schätze. Überall studieren zu können, sich sicher zu fühlen in Deutschland mit europäischen Nachbarn – die Liste wird länger.

Gefragt, was sie an der EU kritisieren, fällt das Antworten schwerer. Die Schüler sind nicht schüchtern, vielmehr scheint es schwierig zu beschreiben, was das mulmige Gefühl hervorruft. „Durch die Bürokratie steigt man nicht durch“, kritisiert eine Schülerin. „Wir hatten das alles in der Schule, aber verstehen tut man es trotzdem nicht.“ Dass die EU Mindestgrößen für Gurken vorschreibt, wirft ein anderer in die Runde. Er verstehe nicht, warum so etwas reglementiert werden müsse. „Die EU ist sehr bürokratisch und kompliziert, das wird auch so bleiben“, gesteht Gabriel ein. Aber bei 27 Staaten an einem Tisch werde sich das wohl auch nicht ändern.

Der Außenminister schaut jetzt nicht mehr auf die Uhr – eigentlich hätte er längst wieder im Auto sitzen müssen. „Europa, das ist eine Überlebensfrage“, mahnt er. Mit Blick auf die sinkende Bevölkerungszahl sei Deutschland allein nicht groß genug, um sich künftig bei den wichtigen Themen wie dem Klimawandel Gehör zu verschaffen. Dafür brauche es die EU. „Washington, Peking und Moskau nehmen die EU schon jetzt nicht für voll“, sagt Gabriel – „und uns in Deutschland nur, weil die Wirtschaft läuft.“ Darauf dürfe man sich nicht verlassen. „Wenn ihr so alt seid wie ich, dann könnt ihr in der Welt nur noch mitreden, wenn es eine europäische Stimme gibt.“ Und: „Es gibt auch keine Garantie auf Frieden, nur weil man noch nie einen Krieg erleben musste“, sagt der Außenminister.

Schweigen. Die Rede des Ministers war vielleicht etwas pathetisch, hallt aber nach. „Klar, man könnte jeden Tag Nachrichten gucken“, sagt Hannah anschließend vor der Tür. „Aber wer von uns macht das schon?“ Da sei so ein Politikerbesuch nachhaltiger. Erst recht, wenn es noch ein Gruppenfoto für Facebook gibt.

 

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