"Am Anfang war alles fremd"

Unter diesem Titel wurde im Stadtteilanzeiger Ost der HAZ am 14.3.2016 wie folgt berichtet:

Ministerpräsident Stephan Weil lernt an der IGS Roderbruch, wie Integration von Flüchtlingen gehen kann

VON SASKIA DÖHNER

Gross-Buchholz. Es gibt regelmäßige Treffs mit jungen Flüchtlingen aus dem ehemaligen Oststadtkrankenhaus, seit Februar ist eine Sprachlernklasse eingerichtet, bereits seit 2007 läuft das Projekt „Rucksack-Mütter in der Grundschule“, das Migrantinnen eine Plattform zum Austauschen bietet: An der IGS Roderbruch wird Integration großgeschrieben. Davon konnte sich jetzt auch Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) überzeugen. Eingeladen hatten ihn die beiden Schüler Hannes und Alex (beide 19). „Alleine hat man nur begrenzte Ressourcen“, sagt Abiturient Hannes, „aber als Gruppe ist man stark.“

Zu einer Gruppe sind mittlerweile auch die Schüler der Jahrgänge 3 bis 13 und die Flüchtlinge zusammengewachsen, die sich jeden Dienstag in der Schule treffen. Sie tanzen, backen, kochen, spielen und klönen zusammen, auch ein gemeinsames Theaterprojekt gibt es. Bei Weils Besuch in der IGS wird erst mal „Reise nach Jerusalem“ gespielt. Beim Kampf um die knappen Stühle ist der Ministerpräsident allerdings nicht besonders erfolgreich: Er scheidet schon nach wenigen Runden aus. Um so mehr Zeit blieb, um Autogramme zu schreiben.

Der Afghane Rahmatulla (24) hat durch die Begegnung mit den Schülern seine Liebe zum Theater entdeckt. Weil er jetzt eine Ausbildung zum Lageristen beginnt, wird er kaum noch bei den regelmäßigen Treffs dabei sein können. Zum Abschied gibt es eine große Schokoladentorte: „Danke für alles“, sagt Rahmatulla. Die Grundschüler Vito, Aaron und Jesper haben ihn für den HAZ-Schreibwettbewerb zum Thema „Fremd“ interviewt. Was für ihn fremd gewesen sei, als er vor vier Jahren nach Deutschland kam? „Alles“, sagt der junge Mann aus Afghanistan. Wovon erträumt? „Einmal nach London reisen!“

Martha, die für das Deutsche Rote Kreuz die Flüchtlinge im ehemaligen Oststadtkrankenhaus betreut, ist selbst eine Zugewanderte. Vor acht Jahren kam sie aus Kolumbien. „Auch wenn ich jetzt die deutsche Staatsangehörigkeit habe, werde ich mich im Herzen immer als Tocher Kolumbiens fühlen.“ So übersetzt sie ein spanisches Gedicht, das sie vorträgt. Eine 8. Klasse hat für einen Film Menschen aus dem Viertel gefragt, was sie vom Flüchtlingszustrom halten. In den Zitaten ist viel Skepsis spürbar: Es müsse alles im Rahmen bleiben mit der Zuwanderung, sagt eine Frau. Und ein Mann warnt vor drohender Kriminalität.

Der tatsächliche Umgang zwischen den Schülern, Lehrern und Flüchtlingen wirkt sehr viel ungezwungener. Von Furcht und Skepsis keine Spur, eher von Freude und Gemeinschaftsgefühl. „Erst die regelmäßigen Treffen mit den Flüchtlingen aus der Nachbarschaft, dann die Einrichtung einer Sprachlernklasse – von dieser Reihenfolge sind wir überzeugt“, sagt Schulleiterin Brigitte Naber. Und Ministerpräsident Weil zieht am Ende dieses Fazit: „Ich bin beeindruckt, der Vormittag hat viel Spaß gemacht, ich komme bald wieder.“

Weil Besuch 2 400„Danke für alles“: Rahmatulla hat an der IGS Theater gespielt – jetzt beginnt er eine Ausbildung. Zum Abschied bekommt der Afghane eine Torte. Fotos: Franson (3)

 

 

 

  

 

 

Weil Besuch 3 505Prominenter Mitspieler: Ministerpräsident Stephan Weil informiert sich nicht nur über Flüchtlingsprojekte, sondern macht auch bei der „Reise nach Jerusalem“ mit.

 

 



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